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„Gotas de Venus" Das Geheimnis einer sinnlichen Frau

Einer ihrer Auftritte fand Ende Januar 1905 im Rahmen einer Wohltätigkeitsveranstaltung von Madame Kiréevsky in Paris statt. Durch Pressemitteilungen die sich auf „eine Frau aus dem Fernen Osten“ bezogen, „die mit Parfüm und Juwelen beladen nach Europa kam, um sich mit Schleiern zu verhüllen und enthüllen“, wurden Pariser Mäzene auf sie aufmerksam.

Die Legende erzählt, dass die exotische Nackttänzerin Mata Hari während ihres Aufenthalts auf Sumatra von einem Bewunderer ein kleines Flakon mit einem sündhaft teuren Parfüm als Geschenk erhalten hatte. Die berühmte Mata Hari hatte eine ganz besondere Verwendung für den Duft und es wird erzählt, dass die Männer ihr zu Füßen gelegen haben und von ihrem Duft schwärmten. 1917 endete ihr Leben dann viel zu jung. Über den Bewunderer ist auch weiter nichts bekannt, außer dass er ebenfalls Niederländer und damals auf Sumatra ansässig war. Er war in Medan als Militärarzt tätig.

 


In alten Zeitungsnotizen kann man nachlesen, dass es 1899 in Medan beim dort ansässigen französischen Parfüm- und Pomadenhersteller einen Brand gegeben hat. Der Laden, die Arbeitsräume, die Unterlagen, der Inhaber selbst und zwei Angestellte, sowie der gesamte Lagerbestand fielen den Flammen zum Opfer, alles wurde unter dem einstürzenden Gebäude begraben.So blieb Mata Haris kleines Flakon mit dem wunderbaren Duft lange Zeit das einzige seiner Art und nur in der Erinnerung an eine wunderbare Nacht im Gedächtnis der Verehrer haften. Niemand hatte Anlass, zwischen dem Parfüm und dem Brand irgend eine Verbindung zu sehen.
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Fast hundert Jahre später reiste mein afrikanischer Freund Hamadi Mathluthi von Tunis nach Sumatra. Während seines Aufenthaltes auf Sumatra hatte er – bedingt durch seinen Vater, einen Kaufmann und Sammler antiker Möbel aus Tunis – berufliche Kontakte zu einem Antiquitätenhändler in Medan. Hier erstand er neben anderen antiken Einrichtungsgegenständen eine kleine hölzerne, reich verzierte Truhe, die innen vollständig mit Leder ausgeschlagen war.

 

Der Inhalt waren diverse kleine Tiegel und Fläschchen mit unbekanntem Inhalt. Hamadi war vom Äußeren der kleinen Truhe so angetan, dass der Inhalt erst einmal Nebensache war. Zurück in Tunis machte er sich daran, das kleine, alte Schatzkästchen zu reinigen, zu pflegen und genauer zu inspizieren, er entnahm die Fläschchen und Tiegel, säuberte aufwendig den Inhalt, legte alles wieder an seinen Platz und stellte die Truhe zum Verkauf in das Geschäft des Vaters.
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Wenige Monate später, im Herbst 1995 hatte ich beruflich in Tunis zu tun und es lag auf der Hand, meinem Jugendfreund Hamadi in Nabeul einen Besuch abzustatten. Mir blieben noch drei Tage und so gingen wir herzhaft Essen, erinnerten uns alter Zeiten in Paris, wo wir uns 1974 kennen gelernt hatten. Er stellte mich seiner Familie vor und an dem Sonntag vor meiner Abreise machten wir einen Spaziergang und kamen auch am Geschäft seines Vaters vorbei. Im Laden fiel mir eine alte Wasserpfeife auf, aber dann fiel mein Blick auf die kleine Truhe. Ich fragte nach dem Preis, aber Hamadi und sein Vater bestanden darauf, mir das kleine Kunstwerk zu schenken, für die 1977 erwiesene Gastfreundschaft, als Hamadi ein paar Monate Gast im Haus meiner Eltern gewesen war. Das war eine sehr nette Geste und ich freute mich über meinen kleinen Schatz. Tags drauf trat ich meinen Weiterflug an. Es dauerte allerdings ein paar Wochen, bis ich wieder in meinen eigenen vier Wänden war.

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Einige Jahre stand die kleine Schatztruhe in meinem Arbeitszimmer als Zierde auf einem kleinen Beistelltisch. Nach der Jahrtausendwende gingen meine Geschäfte immer schlechter und ich plante nach Brasilien auszuwandern. Alles was sich irgendwie zu Geld machen ließ, verkaufte ich und so kam auch die kleine Truhe an die Reihe, ein Sammler bot mir 350 Euro, hatte allerdings für die verstaubten Fläschchen und kleinen Tiegel keine Verwendung. Ich versprach, die Kiste bis zum nächsten Tag auszuräumen und zu säubern. So verschwand die Truhe aus meinem Besitz.

Abends entnahm ich allen Inhalt aus der Truhe und entdeckte in einem kleinen Seitentäschchen ein Heft, das in französischer Sprache abgefasst war. Einer der letzten Einträge war vom 12. Juli 1899.

Ich vertiefte mich in die Eintragungen des interessanten Heftes und fand heraus, dass ein gewisser französischer Parfümeur in dieser Truhe Muster seiner Duftwasser aufbewahrt hatte. In dem Heft waren sauber die Formeln eingetragen. Leider gab es nach dem 12.7.1899 keinen weiteren Eintrag, obwohl der Parfümeur Jean Phillip Fragonard erst 42 Jahre alt war, wie ich der ersten Seite entnehmen konnte.
Meine Neugierde war geweckt und ich untersuchte die Fläschchen, öffnete die Glasverschlüsse und träumte mich in eine Welt, die vor mehr als einem Jahrhundert untergegangen war. Ein Fläschchen hatte sogar noch einen schwachen Duft und trug die Bezeichnung PI42. Im Heftchen konnte ich nachlesen, dass der Parfümeur PI42 scheinbar speziell für einen Kunden, ein Holländer mit Namen Dr. Nils VanReed angefertigt hatte – und zwar bis dahin nur ein einziges Mal.


Auch wenn mir das da noch nicht klar war, ich war auf einen Schatz gestoßen, die Formel für das geheimnisvolle Parfüm der Mata Hari.
Aus den Unterlagen des Hauses Fragonard aus Grasse geht hervor, dass einer der Brüder Fragonard im Jahr 1874 nach einem Streit nach Sumatra ausgewandert war, um dort sein Glück zu versuchen. Er nahm von Amsterdam aus ein Schiff und zwar einen für die damalige Zeit sehr modernen Passagierdampfer, die P.Caland mit 2540 BRT der Holland-Amerika-Linie. Auf dieser langen Überfahrt lernte er den jungen Holländer Nils VanReed kennen. Aus der ersten Begegnung sollte eine Männerfreundschaft entstehen, die erst mit dem Tod Jean Phillip Fragonards endete.


Die P.Caland führte selbstverständlich mehr oder weniger genaue Passagierlisten und die Abschrift des Mikrofilms Nr. 85600039 der Passagierliste aus dem Jahr 1874 ergab, dass Passagier Nr. 13 Herr Fragonard und Passagier Nr. 17 Nils VanReed waren. Eine Kopie der Gesamtliste  liegt mir vor, würde allerdings hier den Rahmen sprengen.


Der Kreis meiner Nachforschungen schloss sich allmählich.


Ein paar Jahre später, als ich längst in Brasilien lebte, setzte ich mich erneut mit dem Heftchen und den Fläschchen auseinander. Entsprechend den Eintragungen für das Parfüm PI42 hatte ich die Formel nachgemischt, die hochwertigen Essenzen und ätherischen Öle verflüchtigten sich allerdings rasch.  Da kamen mir die Kenntnisse eines Freundes zu Hilfe, in dessen Labor untersuchten wir recht aufwendig den winzigen Rest des Originalparfüms und fanden heraus, dass Fragonard keinen Alkohol als Trägersubstanz für das Parfüm verwendet hatte, sondern ein vegetarisches Öl. Daher konnte man das Parfüm auch auf empfindlichen Hautstellen auftragen, ohne Hautreizungen oder Brennen hervorzurufen.
Das war das Geheimnis des Flakons PI42 war nun völlig gelüftet.

Mata Hari trug es nicht nur an den üblichen Stellen auf, sondern verrieb einen winzigen Tropfen …
…  ich will hier nicht gleich alles verraten, die genaue Anwendung finden Sie haarklein beschrieben in einem kleinen Briefchen, das mit dem Parfüm an Sie ausgeliefert wird.

 Und für eines stehe ich gerade mit meinem guten Namen, Sie erhalten ein höchstwertiges Parfüm ohne Äthylalkohol und ohne destilliertes Wasser. Also ein Parfüm allererster Güte aus edelsten, natürlichen Bestandteilen in reinster Form vorsichtig zusammen geführt ganz entsprechend der Kunst der besten Parfümeure dieser Welt. Ein einzigartiges Erlebnis wie aus Tausendundeiner Nacht. Das wird nun Ihr ganz persönliches Geheimnis sein und es liegt an Ihnen, ob sie es wirklich ihrer besten Freundin verraten sollten oder genau so Stillschweigen darüber bewahren werden, wie es Mata Hari getan hat… und ich verrate garantiert nichts!

Peter@Echevers.com